Wintergedichte

Lange Tradition

Gedichte über die kälteste Jahreszeit wurden schon im Mittelalter verfasst. Auch heute noch versuchen Autoren, wie etwa Ulrike M. Dierke, den Winter in Versen zu beschreiben und ihm vielleicht noch eine neue Facette abzugewinnen. Naturgemäß finden sich Zeugnisse winterlicher Lyrik eher in den Breitengraden, wo der Winter mit all seinen Begleiterscheinungen wie Eis, Schnee und Kälte spürbar in Erscheinung tritt, wo die Tage kurz und die Nächte lang sind. Kaum ein Dichter, der nicht ein oder mehrere Gedichte über den Winter verfasst hat. Goethe, Schiller, Fontane, Grillparzer, Rilke und wie sie alle heißen.


Viele Motive

Oft beeinhalten diese Gedichte die Trauer über den Verlust von Wärme und Fruchtbarkeit, was das Klima und vor allem den Ackerbau angeht, verbunden mit der Hoffnung und der Sehnsucht nach der Wiederkehr des Frühlings.
Die weiße Pracht des Winters, Beschreibungen von Kindheitsvergnügen, die Schlittenfahrten, Eislauf oder Schneeballschlachten zum Inhalt haben, sowie landschaftliche Impressionen, sind häufige äußere Motive, die in Wintergedichten beschrieben werden. Dann gibt es noch den inneren Winter, Einsamkeit und Alter, nahender Tod, das sind die Themen, die hier behandelt werden und denen in Wintergedichten Ausdruck verliehen wird. Zu den Wintergedichten gehörend sind auch jene lyrischen Arbeiten, die sich der Weihnacht widmen. Schließlich wird die Geburt Jesu zu Beginn dieser Jahreszeit gefeiert.
Geht es um die persönliche Innenschau, so überwiegen Trauer und Rückschau auf das vergangene Leben. Der Frost und die Kälte des Winters entsprechen hier oft der menschlichen Gefühlskälte und der mit ihr einher gehenden Einsamkeit, die im Alter, dem Winter des Lebens, als umso schmerzlicher empfunden wird. Alles also erntshafte Ansichten des Winterthemas. Selten einmal kommt es vor, dass hier mit Humor gearbeitet wird, wie in Christian Morgensterns Gedicht über die drei Spatzen, die eng aneinander gepreßt sich gegenseitig Wärme spenden, wovon der in der Mitte sitzende Spatz namens Franz natürlich am meisten profitiert.
Dies ist jedoch eine Ausnahme. Überwiegend zeigt der Winter in der ihn behandelnden Lyrik ein strenges, kaltes und oft auch lebensfeindliches Antlitz. Jenes Gesicht von Väterchen Frost, das neben der winterlichen Starre auf dem Felde, auch das innere Gemüt erkalten lässt.

Deutschland, Ein Wintermärchen von Heinrich Heine

Eine Sonderstellung nimmt Heinrich Heines Gedichtzyklus ein, der unter dem Titel: “Deutschland, Ein Wintermärchen” veröffentlicht wurde. Hierbei handelt es sich um einen 1844 erstmalig erschienenen satrischen Zustandsbericht über die politischen Verhältnisse, den Heine in 27 Gesängen (Caput I – XXVII) während seiner ab Oktober 1843 erfolgten Reise durch das damalige deutsche Land verfasst hat. Den zu jener Zeit Herrschenden war dieses Werk ein deratiger Dorn im Auge, dass es bald nach seinem Erscheinen verboten wurde. Heute gehört es zu den herausragendsten Zeugnissen deutscher Dichtkunst.


Klage und Hoffnung

Häufig steht der Winter in den Gedichten, die sich mit ihm befassen, in Bezug zum Frühling, der Jahreszeit, die der Macht der Kälte und des Stillstands in der Natur ein Ende bereitet. So beinhalten viele Gedichte, die die Strenge und Kälte des Winters beklagen, doch oft auch die Hoffnung auf einen blühenden Neuanfang.